John Hattie im Interview mit Regine Berger

Im Rahmen eines Workshops von VisiblelearningPlus in London am 16.04.2013 führte Frau Berger vom IfaS ein Interview mit John Hattie zu den Fragenkomplexen wie Klassengröße, Erfahrungen mit der Einführung von flächendeckendem Schülerfeedback, Entwicklungsdynamik unter Einbeziehung des Schülerfeedbacks, Einbeziehung der Eltern, Lernen sichtbar machen, die Rolle der Schulleitung und John Hatties Motivation für seine Arbeit. Hier können Sie sich das ganze Interview iaufgeteilt nach den einzelnen Fragen ansehen:

 

Frage 1: „In Deutschland wird in Jahrgängen unterrichtet mit 25-30 Schülern pro Klasse. Wie soll ich jedem ein lernprozessbegleitendes Feedback geben?“

Klassen zu verkleinern ist eine sehr teure Option verglichen mit der damit verbundenen Wirkung für das Lernen der Schüler. Viele Lehrkräfte können aber sehr erfolgreich Rückmeldung im Unterricht geben und dadurch das Lernen sichtbar machen.

 

Frage 2: „Haben Sie bereits Erfahrung mit landesweiter Einführung und Umsetzung von lernbegleitendem Feedback? Können Sie Empfehlungen geben?“

John Hattie ist jetzt an der University of Melbourne (Australien). Davor arbeitete er in Neuseeland, wo er landesweit sehr erfolgreich ein freiwilliges Feedbacksystem einführte. Derzeit befasste er sich mit dem Thema, wie Lehrer eine Rückmeldung über ihre Wirkung auf Schüler bekommen. Dies ist die zweite Seite der Feedbackmedaille.

 

Frage 3: „Wie etablieren wir eine nachhaltige Feedbackkultur im Unterricht und im Kollegium der Schule?“

Der Schlüssel für die nachhaltige Implementation der Feedbackkultur im Unterricht liegt im bewussten Dialog, im gezielten Austausch unter Kollegen. So entsteht z. B. wenn man Sport- oder Musiklehrer zusammenbringt und eine Gespräch darüber anregt, wie Lernfortschritte zu erkennen sind, ein außerordentlich lebhafter, fruchtbarer Austausch.

 

Frage 4: „Wie können Eltern in die gelebte Feedbackkultur an der Schule einbezogen werden?“

Häufig werden Eltern immer noch nicht als Mitgestalter, sondern als Hausaufgabenaufsicht oder als Helfer für Zusatzarbeiten gesehen. Dabei gibt es viele Bereiche, wo mit ihnen bestens zusammengearbeitet werden kann. Das allerwichtigste ist, die Lehrkräfte mit den Eltern ins Gespräch zu bringen – auch über unkonventionelle Wege, z. B. über einen Waschmaschinenkurs.

 

Frage 5: „Wie würden Sie an einer Unterrichtsstunde erkennen, dass sie nach Ihren Erkenntnissen aufgebaut und gehalten wird?“

Dies beginnt nicht bei den Lehrkräften sondern bei den Schülern. Man muss die Schüler beobachten, um zu sehen, ob Lehrkräfte eine Wirkung haben.

 

Frage 6: „Welche Haltung ist notwendig um Ihrer Forderung „Lernen sichtbar machen“ umsetzen zu können?“

Lehrer, die mit Leidenschaft unterrichten, erkennt man daran, dass alle ihre Schüler erfolgreich sind. Kurioser Weise kann man eben diese Leidenschaft nicht messen.

 

Frage 7: „Was ist Ihr persönlicher Motor für Ihre Arbeit? Was treibt Sie an?“

John Hattie bezeichnet sich selbst als privilegiert, weil er für seine Arbeit auch noch bezahlt wird und immer wieder durch seine Forschung zu neuen Erkenntnissen kommt. Sie ist seine Kraftquelle.

 

Frage 8: „Wie sehen Sie die zentrale Rolle der Schulleitung? Was müsste sie tun, um die Er-kenntnisse Ihrer Studie in der eigenen Schule umzusetzen?“

Im Bildungsbereich braucht man Persönlichkeiten, die mit den Lehrern zusammenarbeiten und ihnen zeigen, wie sie ihre Wirkung erkennen können. Die Aufgabe von Schulleitern ist, die Koalitionen der Erfolgreichen bilden. Nach seiner Meinung gibt es wunderbare Beispiele dafür. John Hatties Motto lautet daher: Erforsche nicht das Versagen, sondern den Erfolg – er ist überall!